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Gesundheit/Health

Erbfehler und Gendefekte

Gegenwärtig kennt die Tiermedizin auf den ersten Blick erschreckend viele Erbfehler bei Hunden: rund 450. Dies ist nicht zwangsläufig auf ein Ansteigen an erblichen Krankheiten zurückführen, sondern auch auf mehr Wissen über die Vererblichkeit von Erkrankungen.

Eine straffe Übersicht von Harald Wenner.

Der Begriff Erbfehler steht hier für die Gesamtheit der erblichen Abweichungen, Störungen und genetischen Defekte, die wie folgt unterteilt sind:

* Erblich bedingte Krankheitszustände oder Mängel mit gesundheitlicher Beeinträchtigung
* Erb-Umwelt-Erkrankungen, also die genetisch bedingte Bereitschaft zur Erkrankung
* Fehler in der Rasse/Zucht ohne Auswirkungen auf die Gesundheit. Gemeint sind hier falsche Pigmentierung/Fehlfarben, fehlerhafte Ohrenstellung, etc.
* Fehler in der Rasse/Zucht mit Auswirkungen auf die Gesundheit, wie: Zwergen- oder Riesenwuchs, verkürzte Gesichtsschädel, die zu Atemproblemen führen, extrem kurze Beine und extrem lange Wirbelsäulen, etc. Ein Teil dieser Zuchtfehler ist als Qualzucht definiert und sollte laut §11b Tierschutzgesetz aus den Rassestandards entfernt werden, soweit mit Missbildungen oder körperlichen Leiden zu rechnen ist.

Oft vernachlässigt werden hier die Erb-Umwelterkrankungen, da hier eine vorhandene Genmutation nicht zum völligen Versagen des Enzyms führt, sondern als Abweichung von der vollen Funktionsfähigkeit die Gefahr einer größeren Anfälligkeit gegen Umweltveränderungen birgt. Es handelt sich um eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit, also einer Disposition.

Darüber hinaus werden Erbfehler weiter unterteilt in (Quelle: Vererbung beim Hund, Inge Jansen):

* die durch einen einzigen Genort bestimmt sind (monogene oder monofaktorielle Erbfehler) als dominante oder rezessive Gene
* die durch mehrere, additiv wirkende Genorte bestimmt sind (polygene oder multifaktorielle Erbfehler)
* sowie in pränatale (vorgeburtliche), perinatale (kurz vor, während, oder nach der Geburt auftretende), juvenile (in der Jugendentwicklung auftretende) und adulte (im Erwachsenenalter, also nach der Geschlechtsreife auftretende).

Wichtig sind hier bei der Zucht mit erblich belasteten Elterntieren die adulten Erbfehler, weil diese Erbfehler oft erst dann festgestellt werden, wenn bereits belastete Nachkommen geboren wurden. Hier erfolgt eine weitere Einteilung der Erbfehler in: Letal- (tödliche Erbfehler), Semiletal- (mehr als die Hälfte der betroffenen Hunde stirbt bis zur Geschlechtsreife) und Subvitalfaktoren (mehr als die Hälfte der betroffenen Hunde erreicht die Geschlechtsreife).

Nicht alle Erbfehler oder erblich bedingten Krankheiten sind auf genetisch vorbelastete Ahnen zurückzuführen. Auch während des Heranwachsen des Fötus können durch äußere Einflüsse wie Umweltbelastungen, Gifte/Vergiftungen, Viren und Mangelerscheinungen genetische Veränderungen entstehen.

Momentan sind etwa 450 Erbfehler des Hundes bekannt. Diese hohe Anzahl liegt wohl weniger an einem Ansteigen von erblichen Erkrankungen als an der Aufmerksamkeit, die in den letzten Jahren erblich bedingten Veränderungen zukommt. Durch fortschreitende Technik und effiziente Diagnoseverfahren ist es möglich, diese Art gesundheitlicher Leiden zu erkennen und einzuordnen.

Bei etwa zwei Dutzend der caninen Erbkrankheiten ist der molekulargenetische Defekt heute bekannt. Allerdings ist bei gut der Hälfte aller Erbkrankheiten, die auf der genetischen Basis von Rasseprädispositionen (rassebedingte Bereitschaft zur Erkrankung) oder familiärem Auftreten vermutet werden, der Vererbungsgang noch völlig unbekannt. Dies hat schlussendlich zur Folge, dass das Zuordnen einer Krankheit zu einem mutierten Gen - also das Einordnen in eine vererbliche Veränderung - oftmals nicht möglich ist.

Für den Halter eines erkrankten Hundes mag es nicht von Bedeutung sein, ob körperliche Einschränkungen oder Krankheiten seines Tieres erblich sind. Für die Zucht gewinnt diese Erkenntnis allerdings eine sehr große Bedeutung.

Dass jedes Gen und Organsystem von einer genetischen Mutation behaftet sein kann und sich die Symptome von denen erworbener Krankheiten oft gar nicht unterscheiden, macht die klinische Diagnostik oft schwer. Hier sind Informationen des Halters oder Züchters sehr wichtig, da erbliche Erkrankungen meistens unabhängig von äußeren Einflüssen in einem bestimmten Alter auftreten. Erbkrankheiten befallen meist nicht alle Tiere eines Wurfes.

Fatal ist, dass viele Welpen, die an schwerwiegenden Erbfehlern erkranken und in vielen Fällen auch sehr schnell verenden, von deren Züchtern oft ohne weitere Untersuchungen oder das Informieren einen Tierarztes beseitigt werden.

Viele dieser kongenitalen (schon bei der Geburt vorhandenen, sehr schweren) Erbfehler sind meist einfach zu erkennen. Die betroffenen Tiere sind fast nicht lebensfähig und verkümmern. Leider werden viele solcher frühen Todesfälle auch heute noch als "natürliche Auslese" abgetan und mit belasteten Elterntieren weitergezüchtet.

Hier zeigt sich ganz unmissverständlich die Verantwortung, die ein Züchter zu tragen hat.

Je nach Art der erblichen Erkrankung variieren natürlich auch die Symptome. Abhängig davon ist die Prognose für den weiteren Krankheitsverlauf. Der klinische Krankheitsverlauf bei Hunden mit demselben Leiden ist ähnlich, so kann man aus jahrelangen Erfahrungen Prognosen stellen und therapeutische Maßnahmen einleiten. Diese Therapien beziehen sich in den meisten Fällen nur auf die Symptomatik und dienen einer Verbesserung der Lebensqualität. Ethik und Rechtmäßigkeit müssen hier beachtet werden.

Nieren- und Knochenmarktransplantationen sowie weitere Gentherapien können in Zukunft - ähnlich wie beim Menschen - bei einem Teil der monogenen (nur durch ein einzelnes Gen verursachte) Erbkrankheiten eine Heilung ermöglichen.

Die Gelder für die Genforschung beim Hund sind stark begrenzt. Der Löwenanteil der zur Verfügung stehenden Mittel wird in die Genforschung für Nutztiere eingebracht. Hier geht es natürlich in der Hauptsache um Ausbringung (Fleisch, Milch, Eier etc.) Trotzdem ist heute schon viel über erbliche Erkrankungen beim Hund bekannt, findet aber wegen der Rassestandards immer noch wenig Beachtung.

Viele der bekannten Erbkrankheiten sind erst durch züchterische Maßnahmen entstanden und führen heute in unzähligen Fällen zu kranken Tieren, die oft unter den Auswirkungen leiden. Ich möchte hier außer den "echten" Erkrankungen die Übertreibung der Standards erwähnen, aus denen unter anderem die genannten Probleme beim verkürzten Gesichtsschädel, extrem lose Fellhaut, die zu multiplen Hauterkrankungen, Hängelidern etc. führen, extremer Zwergen- oder Riesenwuchs, "Apfelköpfe", zu große oder zu kleine Augen, oder sogar offene Hirnschädel (Fontanellen) resultieren.

Die Zucht von Tieren bedarf einer hohen Verantwortung und sollte mit der einfachen Vermehrung nichts zu tun haben. Wichtig ist dabei, dass man jederzeit den Ursprung der Zucht zurückverfolgen kann, um Einfluß nehmen zu können und unerwünschte Zuchtergebnisse vermeiden kann.

Ein weiterer Punkt, neben teilweise unsinnigen Standards, ist daher die Inzucht. Hier sollen Reinerbigkeit und damit ein hohes Maß an Vererbung erwünschter Eigenschaften erreicht werden. Im gleichen Verhältnis erhöht sich damit aber auch die Zahl der krankmachenden Eigenschaften, Genmutationen und Missbildungen.

Bei Inzucht werden den ursprünglich gesunden Elterntieren durch fortschreitende Genverarmung immer mehr Tiere folgen, die krank sind, oder eine erhöhte Bereitschaft zum Erkranken mitbringen. Zur Erhaltung von (seltenen) Rassen und erwünschter Zuchtmerkmale wird immer noch Inzucht betrieben. Auch wenn durch Inzucht nur selten neue Mutationen entstehen und keine neuen Erbfehler hervorgerufen werden, begünstigt diese Art von Zucht das Auftreten rezessiv vererbter Erkrankungen.

Unzählbare Appelle von engagierten Tierärzten an Rassezuchtverbände verhallen oft unbeachtet. Dabei können Erbfehler ausschließlich an der Wurzel, also der Zucht, gepackt werden. So liest man auf vielen Rassehundeseiten immer wieder Hinweise auf erbliche Erkrankungen dieser Rasse und deren Therapie, statt Vorschläge zur Eindämmung.

Viel wichtiger als die Behandlung von erblichen Defekten ist deshalb die Früherkennung und damit die Eindämmung. Ziel muss sein, dass sich mutierte Gene nicht innerhalb einer Familie oder gar einer ganzen Rasse weiter ausbreiten können. Gerade bei dominant vererbten Krankheiten greifen züchterische Maßnahmen sehr effektiv und führen rasch zu einer Eliminierung des Gendefektes.

Als häufigste Erbfehler treten beim Hund auf:

* hereditäre Skeletterkrankungen
* Erbdefekte der Atemwege
* vererbte Kreislaufstörungen
* vererbte Hautkrankheiten
* hämatologische (Blut) Erbfehler und Erythrozytendefekte (Erythrozyten = rote Blutkörperchen)
* vererbbare Krankheiten des Immunsystems
* Erbkrankheiten der Organe (Leber, Pankreas, Magen, Darm)
* endokrine Erbfehler (Diabetes, Schilddrüse, etc.)
* neurologische Erbkrankheiten
* muskuläre Erbdefekte
* erbliche Fortpflanzungsstörungen
* uronephrologische Erbfehler (erbliche Erkrankungen der Nieren und der ableitenden Harnwege wie Harnleiter, Blase und Harnröhre)

Skeletterkrankungen: Zu den häufigsten erblichen Skeletterkrankungen zählen Dysplasien von Hüft- Schulter- und Ellbogengelenken, die Patellaluxation (Neigung zum spontanen Ausrenken der Kniescheibe) und die Femurkopfnekrose (Degeneration der Hüftgelenkskugel am Oberschenkelknochen).

Für den Hund als Lauftier ist ein gesundes Skelett enorm wichtig. Eine genetische Veränderung der Knochen und Gelenke gibt den Rahmen für entsprechende Erkrankungen, jedoch kann durch eine ausgewogene Ernährung und Bewegung der "Schaden" begrenzt werden.

Nicht nur für erblich belastete Hunde sind zu viel Treppensteigen, Springen, neben dem Fahrrad herlaufen, etc. während der Wachstumsphase Indikatoren für eventuelle spätere Knochen- oder Gelenkerkrankungen. Eine Überbelastung wird die genetische Veranlagung zu Skelettveränderungen negativ beeinflussen.

Zu den erblichen Skeletterkrankungen gehören aber auch genetisch bedingte Defekte wie zum Beispiel Rück- und Vorbiss, Zahnüber- und unterzahl, Zwerg- und Riesenwuchs, Bandscheibenvorfälle (Dackellähme), Veränderungen der Form der Rückenwirbel, etc.

Den Schwerpunkt der neurologischen Erkrankungen, die das Gehirn und das zentrale Nervensystem umfassen, bildet natürlich der Oberbegriff "Epileptische Anfallsformen", siehe auch Hunde Erbkrankheiten Netzwerk (HEN) im Portal der hundezeitung.

Darüber hinaus gibt es aber weitere Erkrankungen, die zu den unterschiedlichsten neurologischen Störungen/Ausfällen führen können. Relativ unerforscht ist das "Schwimmersyndrom", eine erbliche Erkrankung, die dazu führt, dass Welpen nicht in der Lage sind zu stehen und nur flach (wie ein Schwimmer) liegen können. Diese Erscheinung wird meistens durch Krämpfe, Zuckungen und Sehstörungen begleitet. Viele dieser Hunde kommen über das Welpenalter nicht hinaus, wobei sich manche völlig normal weiterentwickeln.

Zu den erblichen Erkrankungen des Kreislaufsystems gehören unter anderen Fehler wie ein Loch in der Herzscheidewand (ganz oder nur teilweise ausgeprägt), Aortenverengungen, diverse Fehl- oder Missbildungen oder die Pulmonalstenose, was bedeutet, dass eine Verengung vorliegt im Bereich der Pulmonalklappen, die eine von insgesamt vier Herzklappen ist.

Zur Diagnose der Herzfehler bedarf es einer speziellen technischen Ausrüstung, die in der Regel nur einem Fachtierarzt für Kardiologie zur Verfügung stehen (wie Ultraschall mit Farbdoppler). Häufig haben andere, zum Teil auch erbliche Erkrankungen, unmittelbaren Einfluss auf die Funktion des Herzens (Erkrankungen der Schilddrüse etc.).

Als erbliche Fortpflanzungsstörungen oder Erkrankungen der Fortpflanzungsorgane bezeichnet man zum Beispiel das Fehlen eines oder beider Hoden, nicht aus der Bauchhöhle absteigende Hoden (Tumorgefahr), sowie Missbildungen der Gebärmutter, Eierstöcke und den Zitzen.

Die hämatologischen Erbfehler umfassen verschiedene Erkrankungen des Blutes. Die zyklische Hämatopoese (Blutbildung), auch zyklische Neutropenie, graues Collie Syndrom oder CCH genannt, ist eine erbliche Bluterkrankung, die es nur beim Collie gibt. Hier nehmen rote Blutkörperchen und Blutplättchen immer mehr ab, der Hund hat keinerlei Immunsystem und die Bindung von Vitamin K ist nicht möglich. Diese Erkrankung geht mit einer Graufärbung des Felles einher und endet tödlich.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind Erkrankungen der Blutgerinnung, also Bluterkrankheiten. Durch eine Verzögerung der Blutgerinnung kann es zu großen Blutverlusten bei Verletzungen und Operationen kommen.

Das Spektrum der erblichen Störungen im Immunsystem reicht von verschiedensten allergischen Reaktionen über Mangelerscheinungen bis hin zu Autoimmunerkrankungen. Hier kommt es durch eine fehlende oder inkomplette Differenzierung zwischen körpereigenen und körperfremden Zellen zur Ausbildung von Autoimmunkörpern gegen körpereigenes Gewebe - das Immunsystem arbeitet gegen den eigenen Organismus.

Beispiele für erbliche Erkrankungen der Augen sind unter anderem die Progressive Retina Atrophie (PRA), bei der es zu einer Degeneration der Netzhaut kommt, die Retina Dysplasie, also einem Ablösen der Netzhaut, die Kerato Conjunktivitis Sicca (KCS), bei der nicht genügend Tränenflüssigkeit produziert wird und das Auge austrocknet. Häufig diagnostiziert wird auch der erbliche Katarakt (grauer Star, der aber nichts mit dem grauen Star als Alterserscheinung zu tun hat).

Aber auch Missbildungen wie zu kleine oder hervorquellende Augen, eine Verdopplung der Wimpernreihen, eingerollte oder hängende Lidränder, haarige Hornhautzysten oder Fehlstellungen der Linse sind nicht selten.

Erblich bedingte Erkrankungen der Haut umfassen im Wesentlichen eine angeborene Fell- oder Haarlosigkeit, den Verlust oder das Fehlen von Pigmenten, Blaufärbungen mit einhergehenden Hautentzündungen, sowie brüchige, dünne Haut mit übermäßig starker Faltenbildung.

Zu den nicht selten auch genetisch bedingten oder prädisponierten Weichteilerkrankungen (muskuläre und endokrine Abweichungen eingeschlossen), gehören zum Einen die verschiedenen Organe, aber auch Blase und Harnröhre, sowie endokrine Drüsen und Stoffwechsel. Alle diese Erkrankungen haben unmittelbaren Einfluß auf die Lebensfunktionen und schränken das erkrankte Tier in der Lebensqualität ein oder führen sogar zum Tod.

Hier dominieren neben Erkrankungen der Niere, Leber, Schilddrüse und Bauchspeicheldrüse etc., auch Muskelschwund und spastische Verengungen des Magenausganges. Da hier die klinische Symptomatik in den meisten Fällen nicht eindeutig zugeordnet werden kann, ist eine Diagnosestellung im Labor und bildgebende Verfahren (Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen) angeraten. Einige der Weichteilerkrankungen können neben einem medikamentösen Ausgleich auch über die Ernährung positiv beeinflusst werden.

Auch die Atemwege können von erblichen Fehlern betroffen sein. Missbildungen der Atmungsorgane und der Atemwege, aber auch eine falsche Bewegungsfunktion der Lunge führen zu schwerwiegenden gesundheitlichen Einschränkungen. Zudem zählen Fehlbildungen oder Unterentwicklungen des Kehlkopfes und Stimmbandlähmungen zu den angeborenen Erkrankungen der Atemwege.

Schlussendlich schreibt man auch gewissen Tumoren (Neoplasmen) eine Vererbbarkeit zu. Unterschieden wird hier in benigne, also gutartige Tumore (nur lokal wachsende, keine Absiedlung bildende), semimaligne genannte Tumore (lokal wachsend, jedoch in umgebende Strukturen einwachsend und zerstörend, bilden keine Absiedlungen) und bösartige Tumore (maligne Geschwulste, mit zum Teil frühzeitiger Bildung von Tochterneubildungen)

Einige Rassen zeigen hier eine erhöhte Disposition zu derartigen Erkrankungen. Der Boxer weist ein, im Vergleich zu allen anderen Rassen, erhöhtes Krebsrisiko auf.

Die Anfälligkeit gegenüber Neoplasmen steigt mit zunehmendem Alter. Betroffen können alle Organbereiche des Körpers sein.

Literaturhinweise:
Hansen, I.: Vererbung beim Hund, Rüschlikon Verlag
Willis, M.B.: Genetik der Hundezucht. Kynos-Verlag
Suter, P.F. und Niemand, H.G.: Praktikum der Hundeklinik, Parey-Verlag
Giger, U.P.F.Jezyk: Diagnosis of inborn errors of metabolism in small animals.
In: R.W. Kirk: Current Vet Therapy XI. Philadelphia: W.B. Sanders
Jezyk, P.F.: Metabolic diseases - An emerging area of veterinary pediatrics. Comp. Cont. Educ Sm Anim.
Mckusick, V.A.: Mendelian Inheritance in Man. Catalogs of Autosomal Dominant, Autosomal Rezessiv and X-linked Phenotype. Johns Hopkins University Press
Ptterson, D.F.: Canine Genetic Desease Information System. Mosby-Verlag, New York
Scriver, C.R., Beaudet, W.S. und Sly, W.S.: The Metabolic And Molecular Basis Of Inherited Desease

Primäre Linsenluxation

Eine mittlerweile recht gut dokumentierte Erbkrankheit bei Miniatur Bullterriern ist die Primäre Linsen Luxation (PLL). Bei dieser erblichen Augenkrankheit löst sich die Linse ab und rutscht normalerweise nach hinten in die hintere Augenkammer. In den meisten Fällen erkranken die Hunde zwischen dem dritten und siebten Lebensjahr PLL, aber es sind und werden auch Fälle vor und nach dieser Altersspanne bekannt. Sofern der Ausbruch der Krankheit rechtzeitig diagnostiziert wird ist PLL operabel. Deswegen ist es unabdinglich, dass der Hund an einen Augenspezialisten weitergeleitet wird, zur sofortigen Bestätigung und Behandlung dieser Krankheit.

Der englische Miniatur Bullterrier Club führt seit Mitte der 70er Jahre ein Register von Hunden, die an PLL erkrankt sind. Diese steht allen, die interessiert sind, frei zur Verfügung. Diese Liste beruht auf freiwillige Meldungen, welche von Besitzern und Züchtern verfügbar gemacht wurden. Diese Liste hilft vorallem Züchtern. Dem Mut und der Offenheit jedes Züchters und jedes Besitzers ist es zu verdanken, dass uns diese Informationen zur Verfügung stehen und nur so ein Fortschritt im Kampf gegen diese Erbkrankheit gemacht werden kann. Aus diesem Grund sollten noch viel mehr PLL-Fälle gemeldet werden und am besten auch andere Krankheiten. So dass, uns ein gesunder und grosser Genpool zur Zucht zur Verfügung steht. Denn eines wollen wir doch alle und das sind gesunde Hunde.

Nach den bekannten Informationen soll sich das PLL-Gen nach dem Mendelschen Gesetz vererben und somit ergeben sich folgende Regelmässigkeiten:

Gesund + Gesund = gesund gesund gesund gesund
Gesund + Träger = gesund gesund träger träger
Gesund + Krank = träger träger träger träger
Träger + Träger = gesund träger träger krank
Träger + Krank = träger träger krank krank
Krank + Krank = krank krank krank krank

(Zur Erklärung: diese Regelmässigkeiten sind bezogen auf Populationen in Höhe von 100 Nachkommen)

Durch unzureichende Schließfunktion der Herzklappe kommt es zu Rückfluß von sauerstoffarmen Blut und somit zur Verbreitung von Mischblut (sauerstoffreiches Blut wird durch den Rückfluß von sauerstoffarmen Blut mit diesem vermischt und es gelangt nicht ausschließlich sauerstoffreiches Blut in den Blutkreislauf) im Kreislauf.
Erbgang: nicht geklärt
Manifestation: von Geburt an
Symptomatik: in den allermeisten Fällen wird der Klappenfehler hämodynamisch nicht wirksam, das heißt die Erkrankung verläuft völlig symptomfrei. Meist handelt es sich um einen Zufallsbefund.
Diagnostik: Herzecho (Ultraschall) Farbdoppler
Therapie: keine.
Prognose: bei normaler Belastung (kein Hochleistungssport, normaler Sport möglich) und ausreichender Bewegung beschwerdefrei, Lebenserwartung bei hämodynamisch nicht wirksamen Klappenfehler normal

Über viele Jahre hinweg hat sich gezeigt, dass die Bull Terrier Rassen eine Neigung zur Entwicklung von Nierenproblemen haben, die oftmals bereits in jungen Jahren auftreten. In einigen Zuchtlinien sind die Nieren der Hunde sehr klein und unterentwickelt. In anderen führt glomeruläre Nephritis noch vor dem dritten Lebensjahr zu Nierenversagen. Manchmal werden die betroffenen Hunde auch 6 bis 8 Jahre alt, bevor sie an Nervenversagen sterben. Es ist deshalb zu empfehlen, einmal jährlich einen einfachen Urintest (Urinprotein/Urinkreatin-WErt) durchführen zu lassen, besonders dann, wenn Sie mit ihm züchten wollen. Die erste Untersuchung sollte im Alter von 18 Monaten bis zwei Jahren stattfinden. Züchter sind dazu angehalten, Hunde mit einem abnormalen UP/UK-Wert nicht zur Zucht einzusetzen, denn dieser weist auf einen zu hohen Proteingehalt im Urin hin.

Stadien der chronischen Niereninsuffizienz

Stadium I:
Stadium I bedeutet, dass die Nierenwerte (Harnstoff und Creatinin) noch normal sind. Ihr Tier zeigt fast keine Symptome einer Nierenerkrankung. Das restliche Nierengewebe gleicht den übrigen Funktionsausfall vollständig aus.
Durch genaue Untersuchung kann eine Funktionsstörung der Nieren aber bereits nachgewiesen werden.

Stadium II:
Der Patient zeigt im Labor mäßig erhöhte Nierenwerte. Vermehrter Durst vermehrter Harnfluss fallen auf. Ansonsten erscheint der Patient normal.

Stadium III:
Die Nierenwerte sind bereits deutlich angestiegen. Dem Körper gelingt es kaum den Funktionsausfall auszugleichen. Gewichtsverlust, Erbrechen, Durchfall, Inappetenz, starker Durst und Harnfluss sind deutlich zu erkennen.

Stadium IV:
Der Patient ist schwerstens krank. Er zeigt Vergiftungserscheinungen. Er besitzt eine Urämie.

Was ist ....
Demodikose?
mit freundlicher Genehmigung vom Do-Khyi-Club Schweiz.
In den letzten Jahren treten auch bei Hunden mehr Fälle von „Demodex" auf. Sind die Signale dafür verminderte Fitness oder Veränderungen im Erbgut oder nur schlechte Aufzucht- und Haltungsbedingungen?
Es gibt Milben, die sind so klein, dass man sie mit dem blossen Auge nicht sehen kann, aber sie leben auf der Haut der Hunde. Es gibt viele Sorten. Die wohl gefürchtetste ist die Demodex-Milbe, auch Haarbalgmilbe genannt, weil sie vorwiegend in Haarfollikeln lebt.
Unter dem Mikroskop sieht diese Milbe länglich aus. Am vorderen Teil hat sie acht Beine. Sie lebt von Haarzellen, Plasma und Blut. Sie hat einen Lebenszyklus (vom Ei bis zur erwachsenen Milbe) von ungefähr 30 Tagen.
Bei jedem Hund kommen diese Milben in geringer Zahl auf der Haut vor. Wenn sich die jedoch plötzlich vermehren, kann es zu sehr ernsten Hautproblemen kommen, vor allem, wenn sie grossflächig auf dem ganzen Körper anzutreffen sind.
Was sind die ausschlaggebenden Faktoren, dass der eine Hund eine beinahe nicht zu bekämpfende Ausbreitung bekommt, der andere eine lokal schnell zu behandelnde Form, und der nächste absolut nichts bekommt? Das kann innerhalb eines Wurfs vorkommen. Bei bestimmten Rassen wie zum Beispiel dem Shar Pei, Bullterrier oder Dobermann tritt diese Hauterkrankung sehr häufig auf.
Interessant ist die Beobachtung, dass die längere Verabreichung von Cortison, das ja bekanntlich das Immunsystem auf verschiedenen Ebenen herabsetzt, die generalisierte Form von Demodex auslösen kann. Auch das Hormon zur Unterdrückung der Läufigkeit kann diesen Effekt haben.
Bei älteren Hunden kann es auch zu Demodex-Ausbrüchen kommen. Meist werden zum Beispiel bösartige Tumore, Leber- und Nebennieren-Erkrankungen festgestellt. Wenn diese Krankheiten erfolgreich behandelt werden können, dann heilt die Demodex in den meisten Fällen von selbst. Man nimmt an, dass bei solchen Tieren keine erblichen Einflüsse auf Demodex vorliegen.
Es gibt also verschiedene Demodexformen: Die lokalisierte Jugend-, die lokalisierte altersunabhängige, die generalisierte Jugend- und die Demodex bei älteren Hunden.
Die lokalisierte Demodex tritt vor allem bei Jungtieren im Alter von drei bis sechs Monaten auf. Man sieht ein bis mehrere haararme bis haarlose Hautbezirke, gerötet, auch mit Schuppenbildung. Die Veränderungen finden sich meist im Gesicht, besonders im Bereich der Augen und Mundwinkel, aber auch an den Vorder- und Hinterbeinen. Juckreiz liegt meist nicht vor.
Es handelt sich bei dieser Form um eine vorübergehende Störung des Immunsystems und nicht um ein genetisches Problem. Auch starke Verwurmung oder Blasenentzündung können ein Grund sein. In über 90 Prozent der Fälle heilt diese lokalisierte Form ohne irgendeine Therapie innerhalb von acht bis zwölf Wochen aus. Diese „Selbstheilung" ist ein sicheres Zeichen für das gut funktionierende Immunsystem des Patienten. Man sollte allerdings auch hier nicht nur einfach still abwarten, was passiert, sondern unter Aufsicht des Tierarztes den genauen Verlauf beobachten.
Bei der generalisierten Demodex sehen wir ein sehr ernstes Krankheitsbild, vor alle, wenn eine sekundäre bakterielle Hautinfektion dazu kommt. Nässende, eitrige Haustellen mit mehr oder weniger Juckreiz, die auch schmerzhaft sein können. Das kann sich über den ganzen Körper ausbreiten. Auch eine Blutvergiftung kann auftreten.
Heute geht man davon aus, dass die generalisierte Demodex ohne erworbene Immunschwäche, also Cortison-Behandlung, Tumore etc., Ausdruck eines erblichen, vermutlich autosomal rezessiv vererbten spezifischen Immundefektes gegenüber den Demodexmilben ist. Durch die bei einer Erkrankung erfolgende massenhafte vermehrung der Demodexmilben wird eine Substanz im Serum der Tiere induziert, die ihrerseits zu einer generalisierten Unterdrückung von bestimmten weissen Blutkörperchen, den so genannten T-Zellen führt. Diese Blutkörperchen sind für die zellvermittelte Immunität verantwortlich. Wenn man die Milben behandelt, normalisieren sie die T-Zellen wieder.
Nur durch tiefe Hautgeschabsel, die unter dem Mikroskop untersucht werden, kann man Demodex feststellen. Lebende Milben in allen Stadien müssen nachweisbar sein, zum Beispiel acht Milben pro Gesichtsfeld.
Ist Demodex ansteckend? Nein, bis auf die Ausnahme, dass Welpen sich in den ersten drei Tagen nach der Geburt bei ihrer Mutter anstecken können. Bei der Behandlung von generalisierter Demodex braucht man einen langen Atem. Etwa 70 Prozent sind heilbar. Es gibt leider kein Mittel, das auf die zellgebundene Abwehr eingreift. Das heisst: man muss alles tun, um die Gesamtkondition des Hundes gut zu halten.
Gutes Futter, keine bakteriellen Hautinfektionen, Würmer und so weiter. Auch eine extra Gabe von Vitamin E kann einen guten Einfluss haben.
Der Hund muss geschoren werden, das ist vor allem bei langhaarigen Typen wichtig. Einmal in der Woche sollte man den Hund mit einem Anti-Seborreo-Shampoo waschen, um einer übermässigen Talgproduktion entgegen zu wirken. Das einzige, momentan offiziell zugelassene Mittel gegen Demodex ist Amitraz, Markenname Ectodex (Bayer). Es gibt ausserdem noch TacTic, das jedoch meist für Grosstiere eingesetzt wird und dementsprechend stärker dosiert ist. Man badet den Hund jeden Tag mit einer genau dosierten Lösung Ectodex, einen Tag die vordere Hälfte, den nächsten die hintere.
Es gibt noch zwei Alternativen: In Tablettenform Interceptor von Ciba Geigy, und zum oralen Gebrauch Ivomec von MSD. Ivermectine in Form von Injektionen ist nicht wirksam. Diese beiden Mittel nie mit anderen Mitteln gebrauchen! Sie sind in einigen europäischen Ländern nicht zugelassen (Rassen wie zum Beispiel Bobtail dürfen nicht behandelt werden) und somit nur auf eigene Verantwortung zu gebrauchen.
Aus Amerika kommt Milbemycine Oxime, das auch in Tablettenform gereicht wird. Es ist sehr teuer und auch noch nicht genügend getestet.
Wenn plötzlich ganze Würfe an generalisierter Demodex erkranken, dann ist das ein Alarmzeichen für die Züchter und die Rasse allgemein. Vor allem, wenn die Form so aggressiv ist, dass einige Hunde nicht überleben, und der Rest es nur nach wochenlanger mühsamer Behandlung „auf dem Nippel" schafft.
Man sollte sich nichts vormachen: Ectodex ist ein Teufelszeug, das auch für eventuell andere im selben Haushalt lebende Hunde negative Auswirkungen haben kann. Bei Durchlesen des Beipackzettels wird einem sowieso Angst und Bange.

Nützliche Links zum Thema Gesundheit

*Der Dortmunder Kreis (DOK) ist die Gesellschaft für Diagnostik genetisch bedingter Augenerkrankungen.

*Die Gesellschaft zur Förderung Kynologischer Forschung e.V.

*The Animal Health Trust (AHT) is an independent charity located just outside Newmarket, which has been improving animal health and welfare for more than half a century.